Autor: admin

  • Nichts Neues im Februar 2026 – Weil ich es nicht besser könnte: Heute einmal nicht von mir.

    Was empfinden Sie als schön? Dazu fällt Ihnen sicherlich so manches ein. Ganz bestimmt nicht nur Sichtbares.

    Wir alle erleben die Welt mit vielen Sinnen. Das ist nichts Neues. Und dennoch, wenn es um das Sehen geht, passiert es immer wieder, dass Menschen glauben, die Bilder, Eindrücke und Erlebnisse, die man sich schafft, wären ohne irgendwie nicht vollwertig.

    Susanne Buchner-Sabathy hat für den Literaturwettbewerb „200 Jahre Brailleschrift – Gemeinsam mehr sehen!“ des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich einen Text darüber geschrieben, wie bereichernd es ist, mit allen Sinnen wahrzunehmen, und wie unwichtig es eigentlich ist, welchen Anteil das Sehen daran hat:

    Was willst du wissen von der Welt?

    Dass die Wiese grün ist? Wie die Silhouette des Baumfalken durch den Himmel pfeilt? Wie die Glut des Sonnenuntergangs das Herz weitet?

    Weißt du, was die Wiese meinen Füßen erzählt? Wie saftig oder wie raschelnd die Gräser sind? Wie die schrundige Rinde des Apfelbaums meinen Fingerspitzen von Wintern und Sommern erzählt? Wie sich der Schrei des Baumfalken unterscheidet von dem des Turmfalken, des Reihers, der Weihe? Willst du wissen, was mir das Herz weitet?

    Wie fühlt sich das Geglucker in der Regenrinne an? Wie klingt ein Sonnenuntergang? Und wie ein Sonnenaufgang? Wie schmeckt das Grün? Kann man Himmelblau riechen? Kann man auf der Welt irgendetwas sehen, das so schön ist wie Wasser, das über deine Hände fließt? Wie beschreibst du schmelzende Schokolade auf deiner Zunge? Wenn dein Kind nicht bei dir ist, wo in deinem Körper spürst du seine Stimme?

    Was hörst du, wenn du ein japanisches Schriftzeichen malst? Was siehst du, wenn du deine Musik hörst? Weißt du, wie schön das Wort „Liebe“ in Brailleschrift sich anfühlt?

    Was du in meinen Augen siehst, seh‘ ich in deiner Stimme, in deinem Atem, auf deiner Haut. Zeig mir deine Traurigkeit, zeig mir deine Lust. Ich zeig dir meine. Gemeinsam sehen wir mehr.

    Kontakt

    Spricht Sie der Text auch so an wie mich? Schreiben Sie mir gerne Ihre Gedanken darüber per E-Mail an do@wortklaviatur.at oder geben Sie Susanne Buchner-Sabathy direkt Feedback per E-Mail an office@sabathy.at

  • Digitaltraining 2026: Surfen Sie selbstsicher mit Screenreader!

    Der Computer macht wieder einmal nicht, was Sie von ihm wollen. Er liest ein Dokument nicht vor, zeigt auf einer Webseite nichts Brauchbares an, lässt Sie ein wichtiges Formular nicht ausfüllen. Was ist da schon wieder los? Wer oder was ist schuld? Was sollen Sie jetzt tun? Sich ärgern können Sie auf jeden Fall. Das ist Ihnen zu wenig? Dann ist das Digitaltraining vielleicht etwas für Sie! Seit Mai 2024 haben bereits achtzehn Teilnehmer:innen den Kurs erfolgreich und zufrieden absolviert – gemütlich von zu Hause aus. Wollen Sie beim nächsten Durchgang im Frühjahr 2026 mit dabei sein?

    Was bringt Ihnen das Digitaltraining?

    Unser online Kurs richtet sich an alle, die den Computer mit einem Screenreader nutzen.

    Sie erfahren

    • wie Sie mit dem Screenreader eine Webseite nutzen können sollten, wenn sie gut gestaltet ist,
    • woran Sie erkennen, dass etwas nicht gut gestaltet ist,
    • wie Sie das Problem für andere verständlich benennen können,
    • wie Sie Probleme den Verantwortlichen melden, damit sie beseitigt werden können und
    • dass Sie mit den Herausforderungen, die das Internet bereithält, nicht allein sind.

    Sie müssen kein IT-Profi sein – ganz im Gegenteil: „Doris und Susanne haben wirklich viel Energie und Herzblut in die Gestaltung des Kurses gesteckt und ein Konzept entwickelt, bei dem von Anfängern bis zu Profinutzern jeder etwas lernen und auch etwas zum Programm beitragen konnte“, wie ein Teilnehmer der ersten Stunde berichtet. Einen ausführlichen Erfahrungsbericht finden Sie übrigens im Artikel von Eva Papst unter folgendem Link: https://www.blindenverband-wnb.at/blog/fit-durchs-intern

    „Doris und Susanne“ – wer ist das?

    Susanne Buchner-Sabathy ist zertifizierte Expertin für digitale Barrierefreiheit und hat als erfahrene Screenreader-Nutzerin schon so ziemlich alles Mögliche und Unmögliche im Internet erlebt. Doris Ossberger ist Sachverständige für Universal Design und durch die langjährige Zusammenarbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen mit den typischen Hürden vertraut. Gemeinsam setzen wir uns durch Unterricht für verschiedene Zielgruppen leidenschaftlich dafür ein, Barrieren abzubauen, Selbstbestimmung zu stärken und Gleichberechtigung zu fördern.

    Susanne Buchner-Sabathy ist Veranstalterin des Digitaltrainings und unterrichtet im gesamten Kurs gemeinsam mit Doris Ossberger.

    Wie läuft es ab?

    Das Digitaltraining findet online über Zoom statt. Sie brauchen einen PC mit Mikrofon und Internetverbindung, um teilzunehmen. Sie können auch über das Smartphone teilnehmen und daneben am PC die Übungen mitmachen. Bei Bedarf gibt es für angemeldete Teilnehmer:innen die Möglichkeit, Zoom in Ruhe vor Beginn des eigentlichen Kurses mit Unterstützung der Trainerinnen auszuprobieren.

    Der Kurs besteht aus 5 Blöcken zu je 2 Stunden an folgenden Terminen:

    • Mittwoch, 20.05.2026, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 27.05.2026, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 03.06.2026, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 10.06.2026, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 24.06.2026, 10:00 bis 12:00 Uhr

    Was kostet es?

    Die FFG, die auch Monitoringstelle für das Web-Zugänglichkeits-Gesetz ist, bietet pro Teilnehmer:in eine Förderung des Kursbeitrags von 50 % an. Damit zahlen Sie statt EUR 600,00 nur EUR 300,00.

    Im Preis enthalten sind schriftliche Unterlagen in barrierefreiem Format. Am Ende des Kurses erhalten Sie eine Teilnahmebestätigung.

    Neugierig geworden? Erfahren Sie mehr und melden Sie sich an!

    Haben Sie noch Fragen? Am Mittwoch, 15.04.2026, gibt es um 10 Uhr eine kostenlose Infoveranstaltung online über Zoom. Melden Sie sich dafür bitte bis spätestens 10.04.2026 an.

    Wollen Sie am Digitaltraining teilnehmen? Melden Sie sich bitte bis spätestens 29.04.2026 an.

    Kontakt: Doris Ossberger – do@wortklaviatur.at

  • Nichts Neues im Jänner 2026 – Wohl überlegt und gut gereift: Dankesworte an den BSVÖ

    Letzten September habe ich die silberne Ehrenmünze des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich, kurz BSVÖ, erhalten. Angemessene Dankesworte hätten die Menschen bei der Verleihung um ihre Mittagspause gebracht. Hier können Sie sie nachlesen, wenn, wann und wo Sie wollen.

    Ich gebe zu, ganz taufrisch ist diese Nachricht nicht mehr. Was für eine glückliche Fügung, passt sie doch damit hervorragend in die Reihe „Nichts Neues“.  Aber genug schöngeredet, lassen Sie mich „Danke“ sagen.

    Irgendwo muss ich anfangen

    Und am besten mache ich das am Anfang. Der war, wenn wir vom BSVÖ, der damals noch ÖBSV hieß, und mir sprechen, vor mittlerweile fast 15 Jahren. Meine Einschulung bestand in den Worten: „Das ist Ihr Büro, machen Sie was draus.“ Wer hätte gedacht, dass ich das wirklich würde? Ich jedenfalls nicht.

    Rückblickend habe ich tatsächlich einiges erreicht. Und das kann ich deshalb so schamlos unbescheiden sagen, weil es nicht nur mein Verdienst ist. Sicher, ich habe eine ziemlich unerschütterliche Leidenschaft mitgebracht, die ich gar nicht kleinreden möchte. Allein damit hätte ich aber nicht viel ausrichten können.

    Gemeinsam geht‘s

    Wenn ich während meiner Zeit beim BSVÖ erklärt habe, was ich eigentlich so mache, bin ich immer ziemlich schnell auf das GMI, das Gremium für Mobilität und Infrastruktur, zu sprechen gekommen. Warum? Ohne mein Team dort hätte ich im Grunde gar nichts machen können. Meine zentrale Aufgabe im BSVÖ bestand nämlich darin, zu vermitteln, was blinden Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen ermöglicht, mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Menschen ohne Behinderungen durchs Leben zu gehen. Aber woher hätte ich wissen sollen, worauf es dabei ankommt?

    In meiner Ausbildung hatte ich kaum etwas darüber erfahren, selbst habe ich keine Sehbehinderung – und auch, wenn ich eine hätte, wüsste ich noch lange nicht, was andere Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit wollen und brauchen. Gut, so allgemeingültig konnten das die Kolleg:innen im GMI natürlich auch nicht. Aber ihre unterschiedlichen persönlichen und fachlichen Perspektiven und Erfahrungen und vor allem die Gemeinsamkeiten, die wir miteinander herausarbeiten konnten, haben es möglich gemacht, einiges besser greifbar zu machen und dementsprechend klar zu kommunizieren – zum Beispiel in der Normungsarbeit, bei der Beratung von Planer:innen und bei ganz vielen anderen Gelegenheiten.

    Sicherer Hafen

    Vertrauen ist etwas Schönes, aber es kann auch ganz schön viel Druck bedeuten, wenn sich Menschen oder sogar eine ganze Organisation darauf verlassen, dass man ihre Interessen in ihrem Sinne vertritt, und man in einem wichtigen Bereich mehr oder weniger allein dafür verantwortlich ist, Verbesserungen zu erreichen. Im BSVÖ wurde mir ganz viel Vertrauen entgegengebracht – mit den Jahren immer mehr. Und ich habe den Eindruck, ich habe es auch nicht verloren, als ich mich selbständig gemacht habe. Vertrauen vom GMI-Team, Vertrauen vom Präsidenten, Vertrauen von den Obleuten und – zumindest hoffe ich das – Vertrauen von den Mitgliedern, soweit sie mitbekommen haben, dass es mich gibt und was ich tue. Wie gesagt, so etwas bringt viel Verantwortung mit sich und ist mitunter belastend. In erster Linie hat es mir aber Rückhalt gegeben und die Möglichkeit, selbstbewusst aufzutreten. Das tut es bis heute und dafür bin ich unendlich dankbar.

    Wie eine Familie

    Teil einer Familie zu sein hat nicht nur gute Seiten – da erzähle ich Ihnen bestimmt nichts Neues. Es kann viel Sicherheit und Geborgenheit mit sich bringen, aber auch viele Verpflichtungen und das Gefühl, ihnen um jeden Preis nachkommen zu müssen. Beim BSVÖ, besonders in der Dachorganisation, ist es immer sehr familiär zugegangen. Ich habe das extrem geschätzt und finde es auch jetzt noch sehr wertvoll, dass ich – genau wie in meiner eigentlichen Familie – auch lange, nachdem ich „ausgezogen“ bin, immer noch irgendwie dazugehören darf.

    Ich glaube, wenn man den BSVÖ nur von außen kennt, stellt man sich darunter einen riesigen Betrieb mit Unmengen an Personal und Ressourcen vor. Es ist mir ein Anliegen, dieses Bild sanft, aber bestimmt umzuwerfen. Und zwar nicht, um Ihre Vorstellung von der Bedeutung des BSVÖ zu schmälern, sondern ganz im Gegenteil.

    Wenn Sie sich den BSVÖ vorstellen, sollten Sie an vergleichsweise wenige Menschen denken, die Tag für Tag alles geben. Manche sind angestellt, manche sind Mitglieder, manche beides. Manche bekommen für ihr Engagement Geld, viele engagieren sich komplett ehrenamtlich. Unabhängig davon gehen sie alle an ihre Grenzen und setzen sich für die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen unermüdlich und nach bestem Wissen und Gewissen ein. Kurzum: Sie alle verdienen eine Auszeichnung. Und wenn es keine Ehrenmünze ist, dann auf jeden Fall unser aller Anerkennung.

    Kontakt und etwas zum Weiterlesen

    Eigentlich habe ich mich selbständig gemacht, um hauptberuflich ausschließlich zu schreiben. Der BSVÖ gibt mir immer wieder Gelegenheit, über seine Kanäle Artikel zu verbreiten, sofern sie inhaltlich dazu passen. Nachdem ich mich nach wie vor doch viel mit Barrierefreiheit beschäftige, ist das meist gar nicht so schwierig. Anlässlich meiner Auszeichnung durfte ich in einem Interview für den „Durchblick“, die Verbandszeitung des BSVÖ, ein bisschen über Barrierefreiheit und die Entwicklungen in den letzten zehn Jahren plaudern. Auf der Webseite des BSVÖ können Sie die Ausgabe des „Durchblick“ mit dem Interview mit mir nachlesen.

    Der heutige Artikel gibt zwar vielleicht keinen konkreten Anlass, aber natürlich freue ich mich immer, wenn Sie mit Fragen oder Sonstigem per E-Mail Kontakt mit mir aufnehmen: do@wortklaviatur.at

  • Worte für Erich Schmid: Weil er das hier gelesen hätte.

    Im Dezember ist Erich Schmid gestorben. Vorgestern war ich bei seinem Gedenkgottesdienst. Höchste Zeit, ein paar Zeilen – oder auch etwas mehr – zu schreiben.

    Als ich von Erichs Tod gehört habe, war mein erster Impuls: Ich schreibe einen Nachruf. Doch dann war ich verunsichert. Steht mir das überhaupt zu? Dränge ich mich damit in einen Mittelpunkt, in dem ich nichts zu suchen habe? Könnte es mir jemand übelnehmen, dass ich mir einbilde, es wäre wichtig, was ich über Erich zu sagen habe? So habe ich hin und her überlegt. Ganz verwerfen wollte ich die Idee nicht, aber zum Schreiben durchringen konnte ich mich auch nicht. Tage sind vergangen, Wochen, mittlerweile sogar mehr als ein Monat. Und heute denke ich: Wenn nicht jetzt, dann nie. Nicht, weil ich glaube, es wäre objektiv wichtig, was ausgerechnet ich zu sagen habe, sondern weil es mir wichtig ist, etwas von Erich mit Worten festzuhalten.

    Zu behaupten, wir wären einander besonders nahegestanden, wäre nicht richtig, vielleicht sogar anmaßend. Es gibt ganz viel, was ich über Erich Schmid nicht wusste. Eckdaten, die man über Freunde, auch die nicht ganz engen, normalerweise schon weiß. Es gibt mindestens genauso viel, was Erich über mich nicht wusste. Und trotzdem, in dem Kontext, in dem wir einander gekannt haben, war unser Umgang miteinander freundschaftlich, vertraut und – so seltsam das klingen mag – so vollständig, dass man gar nicht das Bedürfnis danach hatte, nach irgendwelchen anderen Details zu fragen.

    Der Kontext, von dem ich spreche, war ein beruflicher. Als ich beim Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich zu arbeiten begonnen habe, war Erich dort schon längst die Institution, als die ihn auch jetzt so viele in Erinnerung haben. Kennengelernt habe ich ihn bei einem meiner allerersten Projekte. Er hat mir dabei geholfen, im BBI Schülerinnen und Schüler zu finden, die bereit waren, eine Smartphone App zu testen. So richtig viel hatten wir aber erst einige Zeit später miteinander zu tun, nämlich als wir in der Normung zusammengearbeitet haben.

    So sehr ich mich mittlerweile im Engagement für Barrierefreiheit und Inklusion und in der Normungsarbeit verwurzelt und mit den Menschen, die ich dabei kennenlernen durfte, verbunden fühle – freundlich und einfach war da am Anfang gar nichts. Erich Schmid war einer von denen, durch deren Unterstützung ich nicht untergegangen oder zusammengebrochen bin. Dabei war er nicht mit Superhelden-Cape und in Retter-Pose unterwegs. Er war einfach da. Unaufdringlich, sachlich und verlässlich. Immer kompetent, seriös und humorvoll zugleich. Ganz ungekünstelt, authentisch und selbstverständlich.

    Erich war Lehrer. Damit hat er sich ganz stark identifiziert und er hatte auch außerhalb der Schule durchaus eine „professorenhafte“ Art. In unserer Zusammenarbeit hätte er oft genug Gelegenheit gehabt, unangenehm lehrerhaft zu sein. Doch das war er nie. Niemals hätte er mir vermittelt, ich sei zu jung, zu unerfahren, zu weiblich oder zu sonst etwas, wodurch ich seinen Respekt nicht verdienen würde. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer wertschätzend und auf Augenhöhe. Und ich bin sicher, dass er sich dazu nicht zwingen musste. Es wäre ihm einfach niemals in den Sinn gekommen, sich anders zu verhalten.

    Erich Schmid war 25 Jahre älter als ich. Er hätte mein Vater sein können. Ich bin in der glücklichen Lage, mit diesem Begriff aus meiner Erfahrung als Tochter ausschließlich Positives zu verbinden. Wärme, Güte, Weltoffenheit, Begeisterungsfähigkeit, starke Überzeugungen mit der Fähigkeit, sie zu hinterfragen und zu revidieren, Selbstbewusstsein ohne jegliche Arroganz und mit genau der richtigen Dosis Selbstironie und Bescheidenheit, ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit, bedingungsloses Wohlwollen anderen gegenüber, ohne darauf zu verzichten, sich leidenschaftlich aufregen zu können, wenn es angebracht ist – das alles sind Eigenschaften, die meinen eigenen Vater ausgemacht haben und für die ich ihn geschätzt habe. Erich habe ich in vielerlei Hinsicht ganz ähnlich erlebt.

    Vor wenigen Monaten habe ich in einem Saal voller Menschen irgendwo Erichs Stimme gehört. Mit einem Mal hat sich alles vertrauter angefühlt. Wir haben uns privat nicht gut gekannt, aber den Teil meiner Welt, in dem er vorgekommen ist, hat Erich maßgeblich ausgemacht. Er war ein fixer Bestandteil meines Lebens, wie ich es kenne.

    Seit ich mit Erich zusammengearbeitet habe, kann ich das Wort „Grundprinzip“ nicht mehr schreiben, ohne das „Grund“ wegzustreichen, weil er es nicht lassen konnte, in einer Normungssitzung ausführlich zu erklären, dass das Wort „Prinzip“ nichts anderes bedeute als „Grundsatz“ und die Doppelung nahezu verwerflich sei.
    Von ihm weiß ich, dass ich am Tag der Unterzeichnung der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen Geburtstag habe. Und darauf bin ich ebenso ungerechtfertigt stolz, wie er es wahrscheinlich darauf wäre, dass sein Todestag ausgerechnet der internationale Tag der Menschen mit Behinderungen war.

    Später bei der Veranstaltung in dem menschengefüllten Saal – es war das letzte Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe – hat Erich auf die Frage, wie es ihm geht, zunächst einmal zu mir gesagt: „Wenn Du etwas schreibst, dann werde ich es sicher lesen. Aber schick‘ es bitte über den Donaukurier, weil auf Deiner Webseite gehe ich nicht danach suchen.“ Worüber ich damals vor hatte zu schreiben, war etwas ganz anderes. Aber bevor ich das tun kann, musste ich nun über Erich schreiben. Und ich tue es nicht zuletzt deshalb, weil er versprochen hat, er würde es lesen.

  • Digitaltraining: Starten Sie Internet-fit in den Frühling!

    „Aja, das liegt ganz sicher an Ihrem Screenreader.“ Hat Ihnen das auch schon einmal jemand gesagt, wenn Sie sich beschwert haben, weil Sie ein Online-Service nicht nutzen konnten? Oder haben Sie sich noch nie beschwert, weil Sie entweder überzeugt waren, dass Sie wohl selbst irgendeinen Fehler gemacht haben müssen, oder nicht gewusst haben, wo und wie Sie das Problem melden können? Wollen Sie, dass das anders wird? Dann kommen Sie zu uns ins Digitaltraining!

    Wer sind wir?

    Susanne Buchner-Sabathy ist zertifizierte Expertin für digitale Barrierefreiheit und hat als erfahrene Screenreader-Nutzerin schon so ziemlich alles Mögliche und Unmögliche im Internet erlebt. Doris Ossberger ist Sachverständige für Universal Design und durch die langjährige Zusammenarbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen mit den typischen Hürden vertraut. Gemeinsam setzen wir uns durch Unterricht für verschiedene Zielgruppen leidenschaftlich dafür ein, Barrieren abzubauen, Selbstbestimmung zu stärken und Gleichberechtigung zu fördern.

    Was bringt Ihnen das Digitaltraining?

    Das Digitaltraining richtet sich an alle, die den Computer mit einem Screenreader nutzen.

    Sie erfahren

    • wie Sie mit dem Screenreader eine Webseite nutzen können sollten, wenn sie gut gestaltet ist,
    • woran Sie erkennen, dass etwas nicht gut gestaltet ist,
    • wie Sie das Problem für andere verständlich benennen können,
    • wie Sie Probleme den Verantwortlichen melden, damit sie beseitigt werden können und
    • dass Sie mit den Herausforderungen, die das Internet bereithält, nicht allein sind.

    Sie müssen kein IT-Profi sein – ganz im Gegenteil: „Doris und Susanne haben wirklich viel Energie und Herzblut in die Gestaltung des Kurses gesteckt und ein Konzept entwickelt, bei dem von Anfängern bis zu Profinutzern jeder etwas lernen und auch etwas zum Programm beitragen konnte“, wie ein Teilnehmer der ersten Stunde berichtet. Einen ausführlichen Erfahrungsbericht finden Sie übrigens im Artikel von Eva Papst unter folgendem Link: https://www.blindenverband-wnb.at/blog/fit-durchs-internet/

    Neugierig geworden?

    Das freut uns! Dann wollen Sie sicherlich wissen, wann und wie das Ganze abläuft:

    Das Digitaltraining findet online über Zoom statt. Damit Sie teilnehmen können, brauchen Sie einen PC mit Mikrofon und Internetverbindung. Es wird auch die Möglichkeit geben, Zoom vorher gemeinsam mit uns auszuprobieren.

    Der Kurs besteht aus 5 Blöcke zu je 2 Stunden an folgenden Terminen:

    • Mittwoch, 30.04.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr (Zoom-Probetermin freiwillig ab 09:30 Uhr)
    • Mittwoch, 07.05.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 14.05.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 21.05.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 28.05.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr

    Susanne Buchner-Sabathy ist Veranstalterin des Digitaltrainings und unterrichtet im gesamten Kurs gemeinsam mit Doris Ossberger.

    Was kostet es?

    Die FFG, die auch Monitoringstelle für das Web-Zugänglichkeits-Gesetz ist, bietet pro Teilnehmer:in eine Förderung des Kursbeitrags von 50 % an. Damit zahlen Sie statt EUR 600,00 nur EUR 300,00.

    Im Preis enthalten sind schriftliche Unterlagen in barrierefreiem Format. Am Ende des Kurses bekommen Sie eine Teilnahmebestätigung.

    Noch Fragen?

    Sind Sie noch unsicher, ob das Digitaltraining das Richtige für Sie ist? Am Mittwoch, 02.04.2025, gibt es um 12 Uhr eine kostenlose Infoveranstaltung online über Zoom. Melden Sie sich dafür bitte bis spätestens 31.03.2025 an.

    Wollen Sie fix dabei sein? Damit wir auf alle gut eingehen können, arbeiten wir in einer kleinen Gruppe mit höchstens 6 Personen. Melden Sie sich bitte bis spätestens Mittwoch, 09.04.2025, an.

    Kontakt: Doris Ossberger – do@wortklaviatur.at

  • Nichts Neues im Mai 2024 – Weniger ist mehr: Weniger Aufmerksamkeit, mehr Selbstverständlichkeit

    Heute ist der dritte Donnerstag im Mai und damit Global Accessibility Awareness Day. Weltweit machen Institutionen und Organisationen darauf aufmerksam, wie wichtig digitale Barrierefreiheit und Inklusion sind. Mein Wunsch zum Aufmerksamkeitstag ist weniger Aufmerksamkeit.

    „Das war’s, den Blödsinn tu‘ ich mir nicht an“, denken Sie sich jetzt vielleicht. Aber ich bitte Sie: Geben sie mir eine Chance, bevor Sie das Gerät an die Wand werfen, auf dem Sie das hier gerade lesen. Warum sollten Sie das tun? Erstens: Das Gerät kann nichts dafür. Und zweitens: Sie kennen mich. So, wie das klingt, kann ich es doch nicht meinen. Aber wie meine ich es dann?

    Was weiß ich, wer Sie sind

    In meiner Idealvorstellung sind Sie, die Leser:innen meiner Artikel, eine ganz vielfältige Gruppe von Menschen mit verschiedensten Eigenschaften, Fähigkeiten, Erfahrungen, Sichtweisen, Vorlieben, Interessen, Gewohnheiten und vielem mehr. In einigem unterscheiden Sie sich wahrscheinlich voneinander. Bestimmt haben Sie auch so manche Gemeinsamkeit. Eine davon kann ich sogar erahnen: Sie interessieren sich, aus welchen Gründen auch immer, für die Themen, über die ich gerne schreibe. Das haben Sie übrigens auch mit mir gemeinsam.

    Noch mehr Gemeinsamkeiten

    Wenn wir schon beim Lesen von Artikeln wie diesem sind: Auch da gibt es vieles, das uns allen gleichermaßen bekannt vorkommt. Wir lesen solche Texte auf Geräten wie einem PC, einem Tablet oder einem Smartphone – womöglich sogar auf ähnlichen Modellen mit der gleichen Software.

    Wir alle erwarten uns, dass die Geräte tun, was wir von ihnen wollen. Wir alle haben unsere eigene Routine dabei, sie zu nutzen. Wir schätzen digitale Medien für die Möglichkeiten, die sie uns eröffnen, für die Informationen, die sie uns zugänglich machen, für die Wege, die sie uns ersparen.

    Wir wollen uns darauf verlassen können, dass sie all das tun. Wir genießen es, ein Informationsblatt überall auf Knopfdruck herunterladen und lesen zu können, an Besprechungen und Fortbildungen vom Wohnzimmer aus teilzunehmen und zwischendurch den Wocheneinkauf im online Shop zu erledigen, die nächste Reise zu planen und am Bankkonto zu überprüfen, ob sich das alles ausgeht.

    Wir ärgern uns, wenn wir in einem Dokument anstatt der erwarteten interessanten oder gar wichtigen Informationen nur eine Fehlermeldung finden, wenn wir in der Videokonferenz-Software das Mikrofon nicht ein- und ausschalten können, wenn wir im Webshop ewig nach einem Produkt suchen müssen, wenn wir bei der Ticketbestellung die Reisedaten nicht eingeben können oder wenn beim E-Banking die Schaltfläche zum Einsehen des Kontoauszugs nicht reagiert. Mitunter ärgern wir uns nicht nur, sondern sind verunsichert oder verzweifeln.

    Wie kommen Sie dazu?

    Zurück zum Artikel und wie wir ihn lesen: Bei allen Gemeinsamkeiten, einiges ist dabei auch verschieden. Zum Beispiel nehme ich an, dass viele von Ihnen den Text über Kopfhörer anhören oder vielleicht auch auf der Braillezeile ertasten. Ich selbst lese ihn meistens vom Bildschirm ab, denn das fällt mir am leichtesten.

    Bestimmt haben Sie auch unterschiedliche Gründe, aus denen Sie den Artikel lesen. Vielleicht haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Sie in meinen Texten hin und wieder Informationen finden, die Ihnen in Ihrem persönlichen Alltag weiterhelfen. Möglicherweise interessieren Sie sich für barrierefreie Gestaltung und eine Suchmaschine hat sie hergeführt. Oder Sie waren in einer meiner Lehrveranstaltungen und sind dem dezenten Hinweis auf weiterführende Informationen in meinem Blog gefolgt.

    Wie auch immer Sie dazu gekommen sind: Ich freue mich natürlich sehr, Sie zu meiner Leserschaft zählen zu dürfen. Und dennoch: Reibungslose Abläufe und entspannte Nerven sind ganz offensichtlich allen Menschen ein Bedürfnis. Barrierefreie Gestaltung – oder schöner: Universal Design – trägt maßgeblich dazu bei. Das ist nichts Neues. Warum fühlen sich trotzdem nur vergleichsweise wenige Menschen von dem Thema angesprochen? Warum schiebt man es so gerne in Richtung Nische?

    So war es gemeint

    Bewegen wir uns wieder weg von meinen Artikeln, denn die sollten eigentlich nur als eines von vielen Beispielen dafür herhalten, worauf ich hinauswollte: Die große Barriere, die der Barrierefreiheit entgegensteht, ist in gewisser Hinsicht zu viel Aufmerksamkeit.

    Und zwar die Art von Aufmerksamkeit, die Menschen mit Behinderungen als eine Gruppe hervorhebt, für die man spezielle Maßnahmen treffen muss. Maßnahmen, die im Vergleich zu dem, was als „normal“ anerkannt ist, einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Einen Mehraufwand, den man unter Umständen auch durchaus zu leisten bereit ist, aber nicht ohne deutlich darauf aufmerksam zu machen, dass es sich dabei um einen Gefallen handle, den man einer eigentlich kleinen Randgruppe tue.

    Solange diese Auffassung vorherrscht, ist es schon wichtig, das Bewusstsein auf Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit zu lenken. Denn noch schlimmer als zu viel Aufmerksamkeit ist Gleichgültigkeit. Das Ziel sollte aber sein, dass die Anforderung, barrierefrei zu gestalten, keine besondere Aufmerksamkeit mehr erregt, sondern ganz selbstverständlich umgesetzt wird und niemand sich mit weniger zufrieden gäbe – für sich selbst nicht und schon gar nicht für andere.

    Kontakt

    Wie stehen Sie dazu? Legen Sie Wert darauf zu betonen, dass barrierefreie Gestaltung in erster Linie für Menschen mit Behinderungen da ist? Können Sie dem Wunsch etwas abgewinnen, stattdessen das Spektrum dessen, was als „normal“ betrachtet wird, zu erweitern? Oder fällt Ihnen dazu überhaupt etwas ganz anderes ein? Wenn Sie Lust haben, teilen Sie Ihre Gedanken mit mir in einer E-Mail an do@wortklaviatur.at

  • Nichts Neues im April 2024 -Was ich will, entscheide ich: Gegen Irreführendes im Internet

    Einmal kurz nicht aufgepasst, und schon bezahlen Sie für etwas, das Sie nie haben wollten. So etwas kann zum Beispiel beim online Einkaufen leicht passieren. Seit 17.2.2024 darf es das aber nicht mehr. Und zwar niemandem.

    Eigentlich wollte ich mich ja schon Anfang des Jahres mit meinem eigenen Blog bei Ihnen zurückmelden. Der Umstand, der mich daran gehindert hat: Ich war krank. So krank, dass ich kaum arbeiten konnte – im Homeoffice nicht und im Haushalt genauso wenig. Einkaufengehen war die meiste Zeit ein Ding der Unmöglichkeit, Kochen für die Familie Tag für Tag eine Herausforderung. So unangenehm das alles war, wenigstens ein Gutes hatte die Sache: Das Thema für den Artikel, den Sie gerade lesen, ist mir wie von selbst in die Hände gefallen. Und zwar, als ich für ein Abendessen irrtümlich viel zu viel bestellt und noch mehr bezahlt habe.

    Selbst schuld?

    Die App, mit der man sich via Smartphone Essen aus verschiedensten Restaurants liefern lassen kann, hatte ich schon öfters genutzt. Mit den Abläufen war ich vertraut. Inmitten von knurrenden Mägen, murrenden Kindern und meinem brummenden Schädel habe ich mich darauf gefreut, alles flott hinter mich bringen zu können und die nächste Dreiviertelstunde in Ruhe dem Essen entgegendösen zu dürfen. Stattdessen habe ich den restlichen Abend lang vor allem eines gemacht: mich geärgert. Als ich nämlich nach der verbleibenden Lieferzeit schauen wollte, stellte ich mit Erschrecken fest: Zu jedem Hauptgericht hatte ich, ohne es zu bemerken, ein Getränk und eine Nachspeise bestellt. Stornierungsversuche sowohl beim Betreiber als auch direkt beim Restaurant waren zum Scheitern verurteilt. Das Fatale war: Als ich den Fehler bemerkte, hatte ich die Bestellung bereits bezahlt. Damit hatte ich dem Vertrag zugestimmt. AGBs sind AGBs, was soll man machen? Und so sehr ich mich auch betrogen und verhöhnt fühlte, musste ich mir doch eingestehen: Ich hätte die Rechnung eben vor dem Bezahlen kontrollieren müssen. Dann wäre das alles nicht passiert.

    REingefallen

    Doch bei aller berechtigten Empörung über die eigene Blödheit, so einfach ist die Sache auch wieder nicht. Das erfuhr ich, als ich mich nach einer schlaflosen Nacht an die Arbeiterkammer wandte. Ich wurde den Eindruck nicht los, dass man mir die ungewollten Artikel bewusst untergejubelt hatte. Und tatsächlich: Womit ich es hier zu tun hatte, hat sogar einen Namen.

    Prozesse, die so gestaltet sind, dass sie Verbraucher:innen gezielt zu bestimmten, Entscheidungen oder Verhaltensweisen verleiten, ehe sie erkennen können, dass sie für sie vielleicht gar nicht vorteilhaft sind, nennt man „Dark Patterns“, also „dunkle Muster“. Ein klassisches Beispiel dafür, dem Sie sicherlich auch schon begegnet sind, sind Cookie-Dialoge. Oft ist die Schaltfläche „Alle Cookies akzeptieren“ ganz prominent und unübersehbar im Vordergrund, während andere Optionen, wie zum Beispiel „Nur technisch notwendige Cookies akzeptieren“, klein und grau am Rand darauf hoffen, nicht entdeckt zu werden. Die Erwartung dahinter ist, dass Sie den einfachsten Weg auf die Seite, zu der Sie eigentlich wollten, wählen, ohne lange zu überlegen, welche Vor- und Nachteile die Cookies für Sie haben könnten. Und meist passiert auch genau das.

    DAs gute alte Kleingedruckte

    Die Falle, in die ich bei der Essensbestellung getappt bin, arbeitet mit einem ganz ähnlichen Trick: Die grafische Gestaltung sorgt dafür, dass auffällt, was auffallen soll, und alles andere quasi verschwindet. Hat man eine Speise gewählt, kann man in einem Menü kostenlose Optionen wie „mild“, „mittel“ oder „scharf“ ankreuzen. Dass im selben Menü weiter unten auch kostenpflichtige Artikel wie Getränke, Beilagen und Desserts angeboten werden und einige davon standardmäßig ausgewählt sind, sieht man zunächst nicht. Um es zu bemerken, müsste man hinunter scrollen. Dazu hat man aber, wenn man sowieso nichts dazu bestellen möchte, keine Veranlassung. Und so ist man direkt froh über die schön auffällige Schaltfläche am unteren Bildschirmrand, mit der man die Speise in den Warenkorb legen kann.

    Dort, im Warenkorb, liegt dann alles ganz korrekt – auch das Unerwünschte. Das Problem ist aber: Wirklich auffallen tut es noch immer nicht, denn es ist ganz dezent in zarter, kleiner, grauer Schrift im Fließtext unterhalb der Speise angeführt, zu der es sich dazu geschummelt hat. Der Preis ist freilich ein höherer, als bei dieser Speise auf der Speisekarte angeführt ist. Aber wer ist schon so misstrauisch, das noch einmal zu vergleichen. Ich war es leider nicht.

    Gekonnt versteckt, bewusst manipuliert

    Lasse ich den Ärger einmal beiseite, fällt mir etwas Interessantes auf: In Marketing und Werbung bedient man sich oft derselben Methoden wie in der barrierefreien Gestaltung von Informationen. Zum Beispiel nutzt man gute Kontraste und gut leserliche Schrift, um sicherzugehen, dass niemand übersieht, was man zeigen möchte. Man schreibt Texte so, dass alle sie leicht verstehen können. Und man gestaltet Prozesse, wie zum Beispiel das Abschließen eines Vertrags oder den Kauf eines Produktes, so unkompliziert wie möglich, sodass alle sicher und schnell ans Ziel kommen.

    Das alles ist nichts Neues. Bei den Dark Patterns geht man noch weiter: Was niemand lesen soll, versteckt man durch kleine, schlecht leserliche Schrift. Was niemand zu genau verstehen soll, formuliert man möglichst kompliziert. Den Weg zum Abmelden und Stornieren von etwas gestaltet man langwierig und mühsam. Gerne setzt man die Nutzer:innen zusätzlich mit Meldungen wie „Nur mehr 2 auf Lager“ unter Druck, Entscheidungen besonders schnell treffen zu müssen.

    Eines ist klar: Wer solche Mittel einsetzt, weiß ganz genau, was Informationen gut zugänglich macht und was nicht.

    Keine Frage von Kulanz

    Zurück zu meiner Annahme, ich hätte eben genauer schauen müssen: Vor diesem ganzen Hintergrund der gezielten Manipulation, ist es wirklich fair, die ganze Verantwortung bei mir selbst zu sehen? Seit ich über Dark Patterns Bescheid weiß, weiß ich, dass es das nicht ist. Und ich weiß, dass die Gesetzgebung das auch so sieht. Das ist nicht einmal so neu: Laut Information des Vereins für Konsumenteninformation sind solche manipulativen Praktiken schon gemäß Datenschutz-Grundverordnung und Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb nicht zulässig. Mit dem Digital Services Act ist nun auch ein europaweit gültiges Gesetz in Kraft, das Dark Patterns explizit verbietet. Verstöße dagegen kann man der KommAustria melden. Interessant wäre, inwieweit man auch auf Basis von Web-Zugänglichkeits-Gesetz und Barrierefreiheitsgesetz gegen Dark Patterns vorgehen kann, indem man die Verstöße gegen digitale Barrierefreiheit aufzeigt.

    Gleiches Recht für alle

    Dass man sich nicht für so dumm verkaufen lassen muss, wie man sich vielleicht nach einem Erlebnis wie dem, von dem ich Ihnen erzählt habe, fühlt, ist schon einmal gut zu wissen.

    Als Verfechterin des sogenannten Universal Design bin ich aus einem weiteren Grund fast froh, dass ich dazu gezwungen war, mich näher mit Dark Patterns auseinanderzusetzen: Sie sind ein großartiges Beispiel dafür, welche wichtige Rolle digitale Barrierefreiheit für alle Menschen spielt, um ohne Ärger durch die digitale Welt spazieren zu können. Das Recht auf Barrierefreiheit betrifft uns also alle unmittelbar und hat in Nischen nichts zu suchen.

    Kontakt

    Haben Sie sich auch schon einmal über etwas geärgert, das Sie jetzt als Dark Pattern erkennen? Schätzen Sie sich vielleicht gerade glücklich, dass Sie am Computer mit dem Screenreader unterwegs sind und ausnahmsweise von den absichtlich eingebauten grafischen Barrieren unberührt bleiben? Oder finden Sie, Manipulation hin oder her, man muss schon auch selbst denken und Verantwortung für die eigenen Handlungen übernehmen? Schreiben Sie mir eine Mail an do@wortklaviatur.at – ich bin gespannt, auf welche Gedanken Sie meine Überlegungen bringen!

  • Check-Box, die Vierte: Digitaltraining für Screenreader-Nutzer:innen

    Der Computer macht wieder einmal nicht, was Sie von ihm wollen. Er liest ein Dokument nicht vor, zeigt auf einer Webseite nichts Brauchbares an, lässt Sie ein wichtiges Formular nicht ausfüllen. Was ist da schon wieder los? Wer oder was ist schuld? Was sollen Sie jetzt tun? Sich ärgern können Sie auf jeden Fall. Das ist Ihnen zu wenig? Dann ist das Digitaltraining vielleicht etwas für Sie! Seit Mai 2024 haben bereits achzehn Teilnehmer:innen den Kurs erfolgreich und zufrieden absolviert – gemütlich von zu Hause aus. Wollen Sie beim nächsten Durchgang im Herbst 2025 mit dabei sein?

    Was bringt Ihnen das Digitaltraining?

    Unser online Kurs richtet sich an alle, die den Computer mit einem Screenreader nutzen.

    Sie erfahren

    • wie Sie mit dem Screenreader eine Webseite nutzen können sollten, wenn sie gut gestaltet ist,
    • woran Sie erkennen, dass etwas nicht gut gestaltet ist,
    • wie Sie das Problem für andere verständlich benennen können,
    • wie Sie Probleme den Verantwortlichen melden, damit sie beseitigt werden können und
    • dass Sie mit den Herausforderungen, die das Internet bereithält, nicht allein sind.

    Sie müssen kein IT-Profi sein – ganz im Gegenteil: „Doris und Susanne haben wirklich viel Energie und Herzblut in die Gestaltung des Kurses gesteckt und ein Konzept entwickelt, bei dem von Anfängern bis zu Profinutzern jeder etwas lernen und auch etwas zum Programm beitragen konnte“, wie ein Teilnehmer der ersten Stunde berichtet. Einen ausführlichen Erfahrungsbericht finden Sie übrigens im Artikel von Eva Papst unter folgendem Link: https://www.blindenverband-wnb.at/blog/fit-durchs-intern

    „Doris und Susanne“ – wer ist das?

    Susanne Buchner-Sabathy ist zertifizierte Expertin für digitale Barrierefreiheit und hat als erfahrene Screenreader-Nutzerin schon so ziemlich alles Mögliche und Unmögliche im Internet erlebt. Doris Ossberger ist Sachverständige für Universal Design und durch die langjährige Zusammenarbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen mit den typischen Hürden vertraut. Gemeinsam setzen wir uns durch Unterricht für verschiedene Zielgruppen leidenschaftlich dafür ein, Barrieren abzubauen, Selbstbestimmung zu stärken und Gleichberechtigung zu fördern.

    Susanne Buchner-Sabathy ist Veranstalterin des Digitaltrainings und unterrichtet im gesamten Kurs gemeinsam mit Doris Ossberger.

    Wie läuft es ab?

    Das Digitaltraining findet online über Zoom statt. Sie brauchen einen PC mit Mikrofon und Internetverbindung, um teilzunehmen. Bei Bedarf gibt es für angemeldete Teilnehmer:innen die Möglichkeit, Zoom in Ruhe vor Beginn des eigentlichen Kurses mit Unterstützung der Trainerinnen auszuprobieren.

    Der Kurs besteht aus 5 Blöcken zu je 2 Stunden an folgenden Terminen:

    • Mittwoch, 05.11.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 19.11.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 26.11.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 03.12.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr
    • Mittwoch, 10.12.2025, 10:00 bis 12:00 Uhr

    Was kostet es?

    Die FFG, die auch Monitoringstelle für das Web-Zugänglichkeits-Gesetz ist, bietet pro Teilnehmer:in eine Förderung des Kursbeitrags von 50 % an. Damit zahlen Sie statt EUR 600,00 nur EUR 300,00.

    Im Preis enthalten sind schriftliche Unterlagen in barrierefreiem Format. Am Ende des Kurses erhalten Sie eine Teilnahmebestätigung.

    Neugierig geworden? Erfahren Sie mehr und melden Sie sich an!

    Haben Sie noch Fragen? Am Mittwoch, 08.10.2025, gibt es um 10 Uhr eine kostenlose Infoveranstaltung online über Zoom. Melden Sie sich dafür bitte bis spätestens 06.10.2025 an.

    Wollen Sie am Digitaltraining teilnehmen? Melden Sie sich bitte bis spätestens 20.10.2025 an.

    Kontakt: Doris Ossberger – do@wortklaviatur.at

  • Mehrsinne Mittwoch Dezember 2023 – Das wollen Sie wissen: So bunt sind Ihre Perspektiven

    Ist es für blinde Menschen wichtig zu wissen, wie die Menschen aussehen, mit denen sie es zu tun haben? Keine Sorge, Sie haben kein Déjà-vu. Ich wiederhole mich wirklich – oder auch nicht: Im November gab es die Frage, heute gibt es die Antworten.

    Sie lesen richtig: nicht „Antwort“, sondern „Antworten“ – mehrere. Und die kommen nicht von mir, sondern von Ihnen. Auf den Artikel von November haben sich nämlich erstaunlich viele Leserinnen und Leser gemeldet, um mir ausführlich zu schildern, wie sie die Sache mit den Selbstbeschreibungen wahrnehmen. Die Erkenntnisse aus dieser wertvollen Sammlung von Sichtweisen möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

    Dankeschön an erster Stelle

    Bevor ich irgendetwas anderes schreibe, bedanke ich mich heute ganz herzlich bei Ihnen. Dafür, dass Sie meine Artikel lesen. Dafür, dass Sie sich dazu Gedanken machen. Und dafür, dass Sie mich das durch Ihre Rückmeldungen immer wieder wissen lassen. Dass Sie sich die Zeit für all das nehmen, ist alles andere als selbstverständlich. Ebenso wenig, dass viele von Ihnen sehr offen über ziemlich Persönliches schreiben, um mir ihre Sicht der Dinge näher zu bringen. Dass Sie mir dieses Vertrauen entgegenbringen, ist ganz großartig. Also: vielen, vielen Dank!

    Doch jetzt zur Sache

    Weil die Rückmeldungen gerade bei diesem Thema oft viele persönliche Details enthalten, möchte ich besonders sorgsam damit umgehen und sie nicht ungefragt in die Welt posaunen. Das ist aber auch gar nicht nötig. Denn egal, auf welchen gedanklichen Wegen und vor welchem persönlichen Hintergrund – letztlich führen alle zu einem ähnlichen Schluss: Es gibt keine einheitliche Antwort, die für alle richtig ist.

    Was es gibt, das ist ein Spektrum. Ein Spektrum, das sich erstreckt von „Ich möchte mir nicht indirekt sagen lassen, dass mein Bild von einer Person unzureichend ist, nur weil es den visuellen Anteil nicht enthält.“ über „Es stört mich nicht zu erfahren, wie eine Person aussieht, aber interessieren tut es mich auch nicht wirklich.“ bis hin zu „Ich finde es interessant zu wissen, wie eine Person aussieht, und in manchen Situationen hilft es mir sogar.“ Alles, was in diesem Spektrum vorkommt, ist gut nachvollziehbar. Teilweise ist es sogar so, dass ein und dieselbe Person die Sache unter verschiedenen Umständen ganz unterschiedlich sieht. Im speziellen Zusammenhang mit der Selbstbeschreibung von Vortragenden bei Veranstaltungen scheint vielen wichtiger als das Wissen über das Aussehen zu sein, dass die Person kompetent darin ist, worüber sie spricht. Und dass sie das so tut, dass man ihr auch ohne sie zu sehen gut folgen kann. Mit anderen Worten: dass die Präsentation der Inhalte barrierefrei ist.

    Aber egal, welche persönlichen Sichtweisen sie beschreiben – eines haben alle Rückmeldungen gemeinsam: Sie stellen fest, dass es sicherlich unterschiedliche Ansichten gibt, und werten das nicht ab.

    Offen für Individuelles

    Das ist bemerkenswert. Und zwar deshalb, weil es – zumindest meiner Erfahrung nach – so überhaupt nicht üblich ist, es als selbstverständlich zu betrachten, dass Personen, die eine bestimmte Gemeinsamkeit haben, in anderen Punkten vollkommen verschieden sind. Mehr noch: Wenn man es doch einmal bemerkt, gesteht man ihnen das Recht darauf nicht zu. Und so kommt es dann zu Aussagen wie: „Warum sollen wir etwas für blinde Menschen barrierefrei machen, wenn sie sich nicht einmal einigen können, was sie wollen?“

    Zugegeben, dass Menschen verschiedene persönliche Ansichten, Gewohnheiten, Vorlieben und vieles mehr haben, macht es nicht einfach, Umgebungen und Dinge so zu gestalten, dass alle gleich gut damit zurechtkommen und sich wohl fühlen. Der Punkt ist aber: Das ist ganz allgemein so und nicht nur bei Menschen, die zufällig die Eigenschaft gemeinsam haben, dass sie schlecht sehen. Oder fänden Sie es fair, sich mit allen anderen Menschen, die zum Beispiel eine ähnliche Haarfarbe wie Sie selbst haben, immer in allen Dingen einig sein zu müssen? Eben.

    Was aus dem allen nicht hervorgeht, ist eine klare Vorgabe, wie man die Sache mit den Selbstbeschreibungen als Veranstalter:in lösen kann, sodass es für alle passt. Vielleicht liegt die Antwort darauf aber auch genau darin, die Erwartungshaltung abzulegen, dass es so eine für alle perfekte Lösung geben muss, und dadurch offen für Ideen zu werden, die Flexibilität dafür zulassen, dass wir eben nicht alle gleich sind.

    Bleiben wir in Kontakt

    Der Jahreswechsel bringt für meine Beiträge eine kleine Veränderung: Sie übersiedeln auf meine Webseite www.wortklaviatur.at. Vieles wird gleich bleiben: die Themen, mit denen ich mich beschäftige, die Kanäle, über die die Beiträge Sie erreichen, die Menschen, mit denen ich dabei zusammenarbeite – und natürlich die Motivation, die ich aus dem Dialog mit Ihnen schöpfe. Apropos: Noch habe ich mich nicht entschieden, welchen Namen der Blog auf meiner Webseite tragen soll. Möchten Sie mich vielleicht mit einer Idee unterstützen? Bis Mitte Jänner nehme ich Vorschläge gerne in einer Nachricht an Doris Ossberger unter do@wortklaviatur.at entgegen. Wie immer erreichen Sie mich unter dieser Adresse auch bei anderen Fragen oder Rückmeldungen – ich freue mich, von Ihnen zu lesen!

  • Digitaler Dienstag Dezember 2023 – Weihnachtsunruhe: Stille und starre PDFs

    „Liegt es an mir oder ist da eine Stufe?“ Bei baulichen Barrieren klingt diese Frage ziemlich lächerlich, oder? Bei digitalen Hürden ist das anders: Wenn beim Computer etwas nicht funktioniert, neigen wir dazu, den Fehler bei uns selbst zu suchen. Dass er oft ganz wo anders liegt, zeigen wir Ihnen heute am Beispiel von PDF-Dokumenten.

    Über PDF-Dokumente und ihre Zugänglichkeit haben schon viele vieles gesagt – nicht zuletzt Susanne Buchner-Sabathy und ich. Warum, bei allen Stolperfallen, die die digitale Welt als schlechte Beispiele zu bieten hätte, beschäftigen wir uns also schon wieder ausgerechnet mit diesem Thema? Ganz einfach: In letzter Zeit gab es dort, wo wir sie vielleicht noch am wenigsten erwartet hätten, bei der Arbeit mit dem Screenreader plötzlich Probleme. Wo? Im Programm „Acrobat Reader“. Was für Probleme? Gewaltige. Sie haben davon nichts gemerkt? Dann schätzen Sie sich glücklich: Vielleicht bleibt es Ihnen ganz von selbst erspart. Wenn nicht, dann helfen Ihnen vielleicht unsere Tipps, das Problem zu verstehen und damit umzugehen.

    Was ist da bloß los?

    Dokumente im PDF-Format begegnen uns überall. Der Mythos, sie wären grundsätzlich nicht barrierefrei, scheint sich selbst unter den größten Skeptiker:innen mittlerweile aufgelöst zu haben. Klar, ein paar einfache Regeln muss man beim Erstellen der PDFs befolgen. Aber das, so dachten viele, dürfte sich doch soweit herumgesprochen haben, dass die meisten Dokumente heutzutage zumindest irgendwie lesbar sind. Zum Öffnen, Lesen, Ausfüllen oder sogar Unterschreiben von PDF-Dokumenten ist der kostenlose Acrobat Reader sehr verbreitet. Das funktioniert einwandfrei, auch mit dem Screenreader. Zumindest bis vor Kurzem, denn dann kam die böse Überraschung: Plötzlich war es unmöglich, PDF-Dokumente mit dem Screenreader im Acrobat Reader zu lesen. Es hörte sich an, als hätten die Dokumente keinen Inhalt.

    Besonders rätselhaft: Die Dokumente, um die es da ging, hatten Inhalt – und zwar Text. Keine Bilder, keine Textgrafiken, nein: waschechter Text. Findige Screenreader-Nutzer:innen konnten das feststellen, indem sie mit der Tastenkombination Strg + a zunächst allen Text markierten, ihn dann mit Strg + c kopierten und anschließend mit Strg + v in einen Texteditor oder ein Word-Dokument einfügten. Warum, in aller Welt, behauptete der Screenreader dann beim Öffnen im Acrobat Reader, es gäbe nichts zu lesen? Was war passiert – und wem?

    Des Rätsels Lösung

    In den Dokumenten fehlten die Tags. Tags verleihen dem Text in einem PDF-Dokument Struktur. Wenn sie fehlen, liest der Screenreader nichts aus und man kann sich nicht in dem Dokument bewegen. Die PDFs waren also schlicht und einfach nicht barrierefrei. Diese Erklärung ist so einleuchtend wie überraschend: Dass nicht barrierefreie Dokumente nicht lesbar sind, ist klar. Aber wieso konnte man sie dann bisher problemlos lesen? Hier kommt der Acrobat Reader mit seinen Funktionen ins Spiel.

    KI kompensiert

    Acrobat Reader kann solche Barrierefreiheitsmängel ganz gut ausgleichen, indem es Tags annimmt, wo keine sind, und dem Screenreader diese Strukturinformationen bereitstellt. Das funktioniert oft so gut, dass man die Mängel gar nicht bemerkt und meint, man hätte es mit einem barrierefreien Dokument zu tun. Bis vor einigen Wochen hat das Programm das ganz von selbst ohne spezielle Aufforderung gemacht. Doch dann kam ein Update, das zumindest vorübergehend für Screenreader-Nutzer:innen alles verändert hat.

    Durch das Update gibt es eine neue Bedienoberfläche und bestimmte Einstellungen wurden auf Standard zurückgesetzt – unter anderem jene für die sogenannte „Bildschirmsprachausgabe“ oder „Bildschirmlesehilfe“. Damit kompensiert das Programm das Problem fehlender Tags nicht mehr automatisch, sondern man muss aktiv entsprechende Einstellungen treffen.

    Zurück zu Altbewährtem: So geht‘s

    Wollen Sie weiterhin PDF-Dokumente ohne Tags mit dem Screenreader im Acrobat Reader lesen können? Wie schon anfangs erwähnt: Es kann sein, dass sich die Sache sowieso durch eine Fehlerbehebung seitens Acrobat in Wohlgefallen aufgelöst hat und Sie sich gar nicht weiter damit befassen müssen. Sollte das nicht der Fall sein, können Sie selbst Einstellungen vornehmen, damit die gewohnte Funktion im Hintergrund wieder da ist.

    Dafür müssen Sie zunächst den Dialog auffinden und bestätigen, in dem gefragt wird, ob Acrobat Reader ein ungetaggtes PDF für die Bildschirmsprachausgabe vorbereiten soll. Wenn dieser Dialog nach dem Öffnen des Dokuments nicht automatisch erscheint, sollten Sie ihn mit F6, eventuell auch mit ALT oder mit F3 aufrufen können.

    Die Einstellungen für die Bildschirmsprachausgabe erreichen Sie in der alten und neuen Bedienoberfläche auf unterschiedliche Art und Weise. In der neuen Bedienoberfläche gelangen Sie mit ALT + f oder durch mehrfaches Drücken von F6 zu den „Menü-Optionen“. Dort bewegen Sie sich mit TAB weiter zu „Einstellungen“. In der alten Bedienoberfläche kommen Sie über den Menüpunkt „Bearbeiten“ zu „Einstellungen.

    Bei den Einstellungen sind für den Zweck, um den es uns jetzt geht, jene wichtig, die Sie unter „Lesen“ finden. Stellen Sie dort zunächst ein, dass das ganze Dokument eingelesen wird. Dort, wo man festlegen kann, ob die Lesereihenfolge aus dem Dokument ermittelt werden soll, können Sie die Voreinstellungen übernehmen. Aktivieren Sie außerdem die Option „Leserichtung mit Tags überschreiben“ sowie das Kontrollkästchen, mit dem man festlegt, dass diese Einstellungen für alle Dokumente übernommen werden sollen.

    Bedienoberfläche nach Wunsch

    Wenn Sie wollen, können Sie zwischen den beiden Bedienoberflächen wechseln.

    Um von der neuen auf die alte Bedienoberfläche umzusteigen, gehen Sie mit ALT + f zu den „Menü-Optionen“ und dann mit TAB weiter zu „Ansicht“. Dort finden Sie im Untermenü die Option „Neue Bedienoberfläche deaktivieren“.

    Wollen Sie von der alten Oberfläche zur neuen wechseln? Dann finden Sie im Menüpunkt „Ansicht“ die Option „Neue Bedienoberfläche aktivieren“.

    Kein Ersatz für Barrierefreiheit

    Wenn Sie den ersten Schreck überwunden haben und der Screenreader die problematischen PDFs wieder brav vorliest, fragen Sie sich vielleicht: Wenn Acrobat so elegant taggen kann, wozu braucht es dann eigentlich noch barrierefreie Dokumente? Nun ja, darauf kann man erwidern: Mit einem barrierefreien PDF hätten nicht nur Sie sich den ersten Schreck erspart, sondern wir alle uns einiges an Zeit und Arbeit – und sei es nur jene, die es zum Ändern der Einstellungen braucht. Aber selbst, wenn dieses Spezialproblem nicht aufgetreten wäre: So genau wie die Person, die ein Dokument erstellt, kann keine auch noch so schlaue KI wissen, welche Strukturinformationen die passenden sind. Die Verantwortung dafür, dass Dokumente für alle gut zugänglich sind, ist und bleibt also bei den Ersteller:innen. Das sollen und dürfen Sie auch einfordern.

    Apropos: Wie geht das mit dem Einfordern?

    Jaja, die Beschwerdemöglichkeiten haben wir Ihnen schon einmal vorgestellt. Aber denken Sie sich vielleicht auch manchmal, das ist so viel leichter gesagt als getan? Sind Sie sich manchmal unsicher, ob Sie nicht selbst „schuld“ sind, wenn Sie auf einer Webseite nicht weiterkommen, ein Formular im Internet nicht ausfüllen können oder eben ein Dokument nicht lesen können? Befürchten Sie, sich womöglich zu blamieren, wenn Sie jemandem unterstellen, etwas wäre nicht barrierefrei gestaltet? Oder stellen Sie es sich einfach extrem mühsam vor, sich über eine digitale Hürde zu beschweren, ohne dass es dann wirklich etwas bringt? Wenn Ihnen irgendetwas davon bekannt vorkommt, haben wir im nächsten Jahr ein neues Angebot, das Sie interessieren könnte! Mehr dazu erfahren Sie im Jänner.

    Kontakt

    Melden Sie sich wie immer gerne mit allen Rückmeldungen und Fragen bei Doris Ossberger unter do@wortklaviatur.at

    Wir wünschen Ihnen angenehme Weihnachtsfeiertage und einen barrierefreien Start ins neue Jahr!